Würdigung von Constantin Floros - erster Präsident und Ehrenpräsident der Gustav Mahler Vereinigung
Mit dem Tod von Univ.-Prof. Dr. Dr. hc. mult. Constantin Floros (4.1.1930 – 4.9.2026) verliert die Musikwissenschaft einen herausragenden Vertreter ihres Faches. Beeindruckend ist zunächst die Bandbreite seiner Forschungen: Sie behandeln mit seiner Arbeit zur Frühzeit der byzantinischen Musik und der dreibändigen „Universalen Neumenkunde“ das Mittelalter und erstrecken sich bis zur Musik der Gegenwart, wofür sein Buch über György Ligeti, mit dem er persönlich befreundet war, ein eindrucksvolles Beispiel abgibt. Im Zentrum seiner Forschungen stand das 19. und beginnende 20. Jahrhundert mit weitreichenden Ergebnissen etwa zu Anton Bruckner, Johannes Brahms und Alban Berg.
Einen besonderen Platz nehmen seine Publikationen zu Gustav Mahler ein, vor allem die bahnbrechende, zwischen 1977 und 1985 erschienene Trilogie, bestehend aus den Bänden „Die geistige Welt Gustav Mahlers in systematischer Darstellung“, „Mahler und die Symphonik des 19. Jahrhunderts in neuer Deutung“ und „Die Symphonien“. Einige Jahre später ergänzte er seine Untersuchungen zu Mahler um den Band „Gustav Mahler. Visionär und Despot. Porträt einer Persönlichkeit“ und ein Biographie und Werk zusammenfassendes Taschenbuch in der Reihe „C.H.Beck Wissen“.
Weitere Bücher, wie „Musik als Botschaft“, „Der Mensch, die Liebe und die Musik“, eine Biographie über Peter Tschaikowsky, seine im Jahr 2017 veröffentlichte wissenschaftliche Autobiographie „Passion Musik“ sowie eine Vielzahl wissenschaftlicher Aufsätze runden das wahrlich beeindruckende wissenschaftliche Lebenswerk von Constantin Floros ab.
Geboren am 4. Januar 1930 in Thessaloniki, studierte er im Anschluss an das 1947 bestandene Abitur auf Wunsch seiner Eltern zunächst Rechtswissenschaften. Nach dem ersten Staatsexamen ging er mit Hilfe eines Stipendiums nach Wien, wo er an der Universität Musikwissenschaft, Kunstgeschichte, Philosophie und Psychologie sowie an der Musikakademie Komposition und Dirigieren studierte. Nach der Promotion 1955 wechselte er zwei Jahre später an die Universität Hamburg. Hier war er nach seiner Habilitation 1961 forschend und lehrend tätig, ab 1972 bis zu seiner Emeritierung 1995 als Ordinarius für Musikwissenschaft.
Die Wertschätzung, die ihm und seinen wissenschaftlichen Verdiensten entgegengebracht wurde, zeigt sich auch in seiner Berufung als Mitglied der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt und der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste. Zudem wurde er mit mehreren Ehrendoktortiteln ausgezeichnet.
Als die Gustav Mahler Vereinigung Hamburg im Jahre 1988 gegründet wurde, übernahm er das Amt des Präsidenten, das er bis Mai 2007 innehatte. Im Anschluss wurde er zum Ehrenpräsidenten der Vereinigung ernannt.
(von Alexander Odefey)
